I'm not sure any more whether this was mentioned on the list at the time, but there was an interesting relevant piece by Sonja Zekri published in the _Süddeutsche Zeitung_ (Feuilleton, p.15) back on 28 October last year, under the headline/leader: "Wer braucht schon so viele Evangelien? / Trotz Protest: Die Schweizer Fondation Bodmer möchte 1700 Jahre alte Papyri verkaufen, um ihr Museum zu finanzieren".
Here's the text : Museen schaffen seltsame Nachbarschaften, und einige der seltsamsten schafft die Fondation Martin Bodmer, eine exquisite Handschriftensammlung im malerischen Cologny bei Genf. Hier ruhen Fragmente von Goethes "Faust II", die Erstausgabe von Isaak Newtons "Philosophiae naturalis principia mathematica" mit Randnotizen von Leibniz, Originale von Darwin, Descartes und Novalis; hier wurde jene 120 Meter lange Manuskriptrolle mit 600 menschlichen Perversionen ausgestellt, die de Sade auf winzigen Schnipseln im Kerker vollkritzelte. Die Krönung der Sammlung aber sind jene 900 taschenbuchgroßen Seiten, die in den fünfziger Jahren aus Ägypten auf nicht näher beleuchteten Wegen in die Schweiz gelangten. Martin Bodmer, Sohn einer Zürcher Seidenhandelsfamilie und besessener Handschriftensammler, hatte einige der die ältesten Quellen des Neuen Testaments erworben, Papyrus-Codices mit dem Evangelium des Lucas und des Johannes, die aus dem späten zweiten bis frühen dritten Jahrhundert stammen. Und aus eben diesem Schatz möchte die Sammlung Bodmer nun ein paar Seiten verkaufen, um, wie der Genfer Gräzist Paul Schubert aus einem Brief der Stiftung zitiert, "die Stiftung wieder zu 'kapitalisieren'". Ein Handschriften-Verkauf als Ausweg aus einer klammen Haushaltslage - das kommt einem bekannt vor. Bereits im März hatte Paul Schubert eine Petition verfasst, unterzeichnet von 20 Kollegen, um den Verkauf zu verhindern. Ob sie größere Wirkung entfaltet, steht dahin. Denn Sammlungsdirektor Charles Méla betrachtet die Verkaufspläne geradezu als Befreiungsschlag für sein Haus: "Ich habe an jede Tür in Genf geklopft: Umsonst. Wenn den Schweizern so viel an den Papyri liegt, hätten sie uns ja vorher mal helfen können." 600 000 Euro bekomme die Stiftung derzeit vom Staat, die Ausgaben für das neue, 2003 eröffnete Museum, lägen aber bei 800 000 Euro. Überhaupt stehe ja nicht jene weltweit älteste Handschrift des Johannes-Evangeliums aus dem 2. Jahrhundert zum Verkauf, sondern etwa 30 Blätter aus einem Lukas- und einem Johannes-Evangelium aus dem frühen 3. Jahrhundert, die allesamt erforscht und publiziert seien. Dass es sich dennoch nicht um nachrangige Stücke handeln kann, klingt in der Antwort des Stiftungsrates auf Schuberts Petition an. Darin schreibt die Stiftung, man habe vor dem Dilemma gestanden, "entweder ein Stück von großem Wert oder viele Stücke von geringerem Wert" zu verkaufen und sich auf die erste Variante verständigt, "um das Problem ein für alle Mal zu lösen". Sechs bis acht Millionen Euro, hofft Direktor Méla, werde der Verkauf einbringen. Es wäre nicht der erste Verkauf aus der Sammlung Bodmer. Martin Bodmer, Schweizer Millionär und Bibliomane, hatte seine Sammlung aus 16 000 Handschriften, Inkunablen, Zeichnungen, Noten und Skulpturen in zwei unterirdisch verbundenen Pavillons untergebracht, das Eigentum an ihnen aber später in eine private Stiftung umgewandelt, heute eine der größten privaten Stiftungen der Welt. Der Stiftungsrat wiederum hatte sich für das Museum von Mario Botta einen unterirdischen Ergänzungsbau schaffen lassen, der vor drei Jahren eröffnet wurde - und dessen Baukosten von zehn Millionen Euro durch den Verkauf einer Zeichnung Michelangelos finanziert wurde. Für Paul Schubert war dies der Beginn einer fatalen Strategie, für Sammlungsdirektor Méla hingegen eine Tat in öffentlichem Interesse. Erst mit dem Bau des neuen Museums habe man die Sammlung einem breiteren Publikum zugänglich machen können, was sich nicht zuletzt dadurch ausgezahlt habe, dass der Kanton Genf die zuvor gekürzten Mittel wieder auf 310 000 Euro pro Jahr aufgestockt habe. Aber nun müsse das neue Haus mit Leben erfüllt werden, nun wolle man Sonderausstellungen machen, neue Stücke kaufen - und alles das koste eben Geld. Aber liegt nicht ein gewisser Widerspruch darin, die Kronjuwelen zu verkaufen, nur um sich eine Handvoll Perlen leisten zu können? "Aber es sind ja gar nicht die Kronjuwelen. Die Stiftung besitzt 900 Blatt Papyri, das sind 1800 Seiten, und wir können nur ein, zwei Seiten zeigen: Nein, ich bedaure es nicht, diese Papyri zu verkaufen." Der Heidelberger Altphilologin Andrea Jördens hingegen tut es nicht nur leid, sie nennt es "eine Katastrophe". Selbst wenn die Schriften publiziert und digitalisiert seien, helfe Forschern dies kaum weiter. Viele Informationen ließen sich nur am Original ablesen: "Welche Tinte verwendet wurde, welche Hände geschrieben haben, wer welche Einfügungen gemacht hat, alle diese Fragen beantwortet ein Computerbild nicht", erklärt Jördens. Schlimmstenfalls, so ihre Sorge, verschwinden die Blätter in einer Privatsammlung, unerreichbar für die Öffentlichkeit und für die Wissenschaft, eine Befürchtung, die Méla zu zerstreuen sucht: "Wir hatten mal an eine private Sammlung gedacht, aber wir werden auf jeden Fall darauf achten, dass die Papyri für die Forschung zugänglich bleiben." Paul Schuster überzeugt das nicht: "Was heißt das überhaupt: Es ist schon publiziert? Kann man etwa jede Sammlung auseinanderreißen, jedes Bilder verkaufen, nur weil es mal in einem Buch abgedruckt wurde?" Aber Méla sieht die Pläne des Stiftungsrates ganz im Sinne des Museumsgründers. Und damit liegt er möglicherweise nicht mal falsch. Martin Bodmer nämlich, so Méla, habe den Verkauf einzelner Stücke ausdrücklich vorgesehen, falls sich auf diese Weise das Überleben der Sammlung sichern ließe. Überhaupt schien die Unantastbarkeit der Sammlung für Bodmer im Einzelfall verhandelbar: Als Papst Paul VI. in Genf weilte, überreichte ihm der Industriellen-Sohn zwei Seiten mit den Petrusbriefen. Er hatte sie einfach aus dem Konvolut herausgelöst. Dennoch blute dem Stiftungsrat natürlich das Herz, wenn ein Stück verkauft werde, sagt Méla. Niemand wolle sich von seinen Objekten trennen. Wird der Verkauf der Papyri dann wenigstens der letzte sein? - "Wer weiß, was die Zukunft bringt?" - Laval Hunsucker, UvA > -----Oorspronkelijk bericht----- > Van: The papyrological bulletin '[email protected]' > [mailto:[EMAIL PROTECTED] Paul Schubert > Verzonden: donderdag 13 september 2007 7:30 > Aan: [email protected] > Onderwerp: Re: [PAPY] Bodmer Papyri > > > This was not a mere dream: in spite of an international > outcry, P.Bodmer > 14 & 15 were sold a few months ago by the Bibliotheca Bodmeriana to a > private collector, who then offered the codices to the Bibliotheca > Vaticana. The rest of the Bodmer Papyri are, to the best of my > knowledge, still safely in Cologny/Geneva. > > Paul Schubert > > Don Barker a écrit : > > Did I dream it or was the Bodmer papyri up for sale and if > so does anyone know what happened to them? Also does anyone > know if Codex Vaticanus will be on display whilst the Vatican > Library is renovated? > > Thanks and best wishes, > > Don > > > > Dr Don Barker > > Dept. Ancient History > > Macquarie University > > Sydney 2109 > > AUSTRALIA > > +61 2 9850 9962 > > >
