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taz - 15.01.2012

taz-Serie: Grenzen des Wachstums

Weg mit dem Wohlstandsballast

Der Ökonom Niko Paech plädiert für eine Wirtschaft, die ohne Wachstum auskommt. 
Auch vom klassischen Umweltschutz hält er nicht viel. Der letzte Teil der 
taz-Serie [1]. VON FELIX LEE

BERLIN taz | Wer kennt diese Situation nicht? Da hat man zu Weihnachten den 
langersehnten Fortsetzungsroman seines Lieblingsautors in gebundener Ausgabe 
erhalten, doch die Zeit zum Schmökern findet sich nicht. Und auch in den Genuss 
des Flachbildfernsehers oder der neuen Spielekonsole kommt man nicht. Der 
10-Stunden-Arbeitstag frisst einem sämtliche Mußestunden auf.

Zeit ist nach Ansicht des Oldenburger Ökonomen Niko Paech zur knappsten 
Ressource des modernen Menschen geworden. Da kann einer noch so viel Geld in 
neue Konsumartikel stecken - was nützen einem diese Dinge, wenn man gar keine 
Zeit findet, sie auch lustvoll zu genießen?

Und auch die zweite Komponente zum Glücklichsein bleibt bei den meisten auf der 
Strecke: ein Leben zu führen, das nicht auf Kosten anderer geht, weder auf die 
Kosten heutiger noch künftiger Generationen. "Ich möchte am Ende meines Lebens 
sagen können, dass ich mit der Welt im Einklang gelebt habe", sagt Paech. Aber 
wer könne das mit Blick auf CO2-Ausstoß, Rohstoffraub und Ölverbrauch noch von 
sich behaupten?

Mit seiner Postwachstumstheorie plädiert der 52-Jährige für ein 
Wirtschaftssystem, das auf Wachstum weitgehend verzichtet. "Eine Reduktion ist 
schon deshalb erforderlich, weil es nicht möglich ist, an einer bestimmten 
Stelle auf dem Wachstumspfad einfach auf den Stoppknopf zu drücken und dann zu 
hoffen, dass das Erreichte stabilisiert werden kann", glaubt der Ökonom.

Die bloße Unterbrechung des Wachstumspfads führe sofort zu einem Abschwung. Und 
das würde in einem System, dessen gesamtes Sozial- und Wirtschaftssystem auf 
Wachstum gepolt ist, sofort zu Krisen führen. Paech plädiert für eine 
Versorgung, die weniger Wachstumszwänge mit sich bringt.

Zu große Abhängigkeiten

Konkret bedeutet das in erster Linie den radikalen Rückbau der globalen 
industriellen Arbeitsteilung. Heutzutage stehen die Fabriken in Stuttgart 
still, wenn in Nordjapan ein Tsunami wütet oder vor den Toren Bangkoks die 
Produktionsstätten unter Wasser stehen - solche Abhängigkeiten kennzeichnen die 
weltweiten Wertschöpfungsketten inzwischen.

Diese langen, umweltschädlichen Transportwege sollte es nach Ansicht von Paech 
nicht mehr geben. Stattdessen plädiert er für die Stärkung der regionalen und 
lokalen Ökonomien, die wieder sehr viel stärker auf Selbstversorgung wie 
Eigenarbeit, Community-Gärten und Tauschringe setzen. Er plädiert für eine 
Deglobalisierung.

Aber auch ein bestimmter Teil der Ökoszene kriegt sein Fett weg. Der 
Umweltschutz, der auf die Verbreitung neuer technischer Innovationen setzt, sei 
"brutal gescheitert", ist sich Paech sicher und kritisiert vor allem an die 
Befürworter eines Green New Deal. Am billigsten und klimafreundlichsten sei es, 
gar nicht Auto zu fahren, so Paech.

Der günstigste Flug sei zugleich der ökologischste, nämlich sich gar nicht in 
ein Flugzeug zu setzen. Und das ökologischste Fleisch sei für ihn, gar kein 
Fleisch zu essen. Von "Verzicht" möchte Paech dennoch nicht sprechen, sondern 
lieber von "Entrümpelung". Ihm gehe es um den "Abwurf von Wohlstandsballast", 
der das Leben sowieso verstopfe, Geld koste und obendrein die Ökosphäre 
zerstöre.

Paech plädiert für eine individuelle CO2-Bilanz. Damit die Erderwärmung bis 
2050 nicht mehr als 2 Grad beträgt, dürfe jeder der 7 Milliarden Erdbewohner 
nicht mehr als 2,7 Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr verursachen. Der Ausstoß eines 
Bundesbürgers liegt derzeit aber bei 11 Tonnen. "Wenn wir nicht anfangen, von 
unserem hohen Ross herunterzukommen, können wir den Afrikanern und Chinesen 
überhaupt nichts abverlangen." Paech nennt es "zynisch", von anderen zu 
verlangen, "was wir vor der eigenen Haustür nicht hinbekommen".

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Wachstum

Der Mythos: Viele gehen davon aus, dass die Wirtschaft immer weiter wachsen 
muss, um die Welt zu ernähren.

Die Kritik: Spätestens seit der Club of Rome 1972 "Die Grenzen des Wachstums" 
vorstellte, ist klar: Wachstum ist auf einem endlichen Planeten nicht unendlich.

Die Alternativen: Etliche Wachstumsskeptiker beschäftigen sich mit diesen 
Fragen. Die einen fordern eine Verlangsamung des Wachstums, andere einen Stopp, 
einige eine Rücknahme. Die taz stellt die wichtigsten Köpfe vor [1].

[1] http://www.taz.de/!s=taz-serie+die+grenzen+des+wachstums/

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