Klimaretter.info
http://www.klimaretter.info/protest/hintergrund/10867

Sonntag, 25. März 2012, 11:03 Uhr

Sankt Florian gegen Fluglärm

Initiativen gegen Fluglärm vernetzen sich nun bundesweit. Die Auswirkungen
des Flugverkehrs auf das globale Klima bewegen jedoch nur wenige der
Fluglärmgegner. Oft verläuft der Protest getreu dem Motto: Lasst die Flieger
fliegen – nur nicht über meinem Haus

Aus Berlin Hanno Böck

Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Leipzig, Berlin, München – eine durchaus
eindrucksvolle Liste an Städten, in denen Fluglärmgegner am Wochenende
protestiert haben. In Berlin hat die Deutsche Flugsicherung offenbar viele
Anwohner über Jahre angelogen, in Frankfurt sind viele Einwohner schockiert
über den Lärm der neuen Landebahn Nordwest und in München steht demnächst
ein Bürgerentscheid über den Bau einer dritten Startbahn an. Das Thema
Fluglärm bewegt – und neuerdings bewegt es auch bundesweit.

Denn der Flugverkehr boomt. Mit Ausnahme des Krisenjahrs 2009 verzeichnet
die Branche seit Jahren rasante Zuwächse von vier bis fünf Prozent pro Jahr.
Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Lärmpegel, sondern auch auf das
Klima: Der Flugverkehr ist weltweit die am schnellsten wachsende Quelle für
Kohlendioxid-Emissionen.

Doch wer nun begeistert dem Fluglärm-Protest beispringt und hofft, hier
entstünde eine Bewegung, die der hemmungslosen Ausweitung des Flugverkehrs
ohne Rücksicht auf Klima und Umwelt Einhalt gebieten könnte, wird sich an
mancher Stelle verwundert die Augen reiben.

In Berlin etwa: Der Bürgerverein Berlin-Brandenburg (BVBB), eine der am
längsten aktiven Initiativen gegen den Bau des Flughafens in Schönefeld,
schlägt vor, statt eines Großflughafens am Randgebiet der Hauptstadt doch
etwas weiter nach draußen zu gehen [1]. Das Kalkül: Dort könne man den
Flugverkehr hemmungslos ausweiten und den Betrieb 24 Stunden am Tag ohne
nächtliche Einschränkung aufrechterhalten. Tiefstapeln ist nicht Sache des
BVBB: Man spricht von über 125 Millionen Passagieren jährlich an einem
möglichen Flughafen Sperenberg. Das sind mehr, als alle Flughäfen
Deutschlands zusammen zur Zeit abfertigen. Zugegeben: Der BVBB ist auch bei
den Berliner Fluglärminitiativen nicht unumstritten.

In Frankfurt wissen Klimaschützer gerade von ähnlich anmutenden Ideen zu
berichten [2]: So kursiert innerhalb mancher Fluglärm-Initiativen wohl die
Idee, man könne doch neben der Landebahn Nordwest eine zusätzliche Landebahn
bauen, die vom Stadtgebiet wegführt – um die dort Wohnenden zu entlasten.
Auch eine stärkere Nutzung der alten Südbahn ist im Gespräch.

Die Grundsatzfrage – ist das momentane Rekordwachstum im Flugverkehr
überhaupt vertretbar? - mit der tun sich viele der neuen Bürgerinitiativen
sichtlich schwer. Sicher ein Grund hierfür ist, dass viele der Demonstranten
aus der wohlhabenden Mittelschicht stammen – die Klientel, die selbst
besonders häufig und gerne das Flugzeug besteigt.

Am deutlichsten von diesem Trend hebt sich die Initiative "München gegen die
3. Startbahn" [3] ab - auf deren Webseite heißt es als allererstes: "Damit
das Klima nicht abstürzt."

Im Text verwendete Links:

[1] http://tinyurl.com/837sk53
[2] http://waldbesetzung.blogsport.de/2012/03/24/
[3] http://www.keinestartbahn.de/




° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Ende der weitergeleiteten Nachricht ° Alle Rechte bei den AutorInnen
Unverlangte und doppelte Zusendungen bitten wir zu entschuldigen
Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=unsubscribe

° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
Greenhouse Infopool Berlin
[email protected]
www.twitter.com/greenhouse_info
www.freie-radios.net
www.coforum.de


° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
"Klimaschutz muss als Bewegung von unten kommen."
http://energiewende.wordpress.com
http://klima-der-gerechtigkeit.de



_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an