http://www.testbiotech.de/node/641

Testbiotech - 26.03.2012

Neue Superschädlinge auf dem Acker?

Anbau von neuem 'Gen-Mais' in der EU könnte Probleme bereiten

München/Brüssel - Testbiotech veröffentlicht heute ein Dossier mit 
überraschenden Details zum Anbau des gentechnisch veränderten Mais MON88017, 
der ein Gift gegen Insekten produziert. Wie eine aktuelle Laboruntersuchung aus 
den USA zeigt, könnte dieser Mais dazu beitragen, die Ausbreitung von 
Fraßinsekten zu beschleunigen. Nach den Versuchsergebnissen entwickelt der 
sogenannte Maiswurzelbohrer nicht nur eine Resistenz gegen das Gift des 
gentechnisch veränderten Mais, sondern er kann gleichzeitig die Entwicklung 
seiner Larven beschleunigen und mehr Nachkommen produzieren. Dies würde dazu 
führen, dass sich der von Landwirten gefürchtete Schädling noch schneller auf 
den Feldern ausbreitet.

Die neuen Forschungsergebnisse, die unter anderem von Wissenschaftlern des 
US-Landwirtschaftsministeriums stammen, passen zu weiteren Untersuchungen aus 
den USA. Diese belegen tatsächlich die Ausbreitung von giftresistenten 
Wurzelbohrern in Regionen, in denen der gentechnisch veränderte Mais angebaut 
wird. Derzeit wird darüber beraten, ob der Mais MON88017 auch in der EU 
angebaut werden darf. Der US-Konzern Monsanto hat eine Genehmigung für den 
Anbau beantragt und die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat den Mais im 
Jahr 2011 bereits für unbedenklich erklärt.

"Die aktuelle Veröffentlichung aus den USA zeigt eine neue Dimension bei der 
Entwicklung resistenter Fraßinsekten. Es ist bereits bekannt, dass sich der 
Wurzelbohrer an den Anbau von insektengiftigem Mais anpassen kann. Jetzt sieht 
es aber danach aus, als ob die angepassten Schädlinge gleichzeitig eine höhere 
Fitness aufweisen und sich so noch rascher ausbreiten können. Wir raten 
dringend davon ab, diesen Mais für den Anbau zuzulassen", sagt Christoph Then 
von Testbiotech.

Die Anpassung der Schadinsekten ist nicht das einzige Problem. Dieser Mais 
produziert nicht nur ein Insektengift, sondern widersteht zudem dem 
Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat (bekannt als Roundup). Würde dieser Mais in 
der EU zugelassen, wäre er auch die erste kommerziell angebaute gentechnisch 
veränderte Pflanze in Europa, die gegen das Spritzmittel resistent ist. 
Aktuelle Untersuchungen aus den USA zeigen, dass der großflächige Anbau von 
herbizidresistenten Pflanzen eine wesentliche Ursache für den Rückgang der 
Population des Monarchfalters ist. Durch den Anbau von gentechnisch veränderter 
Mais und Soja werden auch die Pflanzen reduziert, die die Raupen des Falters 
als Futter benötigen.

Zudem haben sich in den letzten Jahren immer mehr Unkräuter an die beim Anbau 
eingesetzten Gifte angepasst. Dadurch muss heute sehr viel mehr Glyphosat 
gespritzt werden als vor zehn Jahren. Das bedeutet auch höhere Belastungen für 
Mensch und Umwelt. Trotzdem hat die EFSA keine aktuellen Daten über die Höhe 
der Belastung mit Glyphosatrückständen der Pflanzen verlangt.

Derzeit stehen verschiedene neue gentechnisch veränderte Maispflanzen vor einer 
möglichen Anbauzulassung in der EU. Die EFSA hat neben MON88017 auch den 
insektengiftigen Mais Bt11 der Firma Syngenta, den Mais 1507 (ebenfalls 
insektengiftig) der Firma Dupont/Pioneer sowie GA21 von Syngenta und NK603 von 
Monsanto (beiden sind unempfindlich gegenüber Glyphosat ) als unbedenklich 
eingestuft. Es wird erwartet, dass die Mitgliedsländer in den nächsten Wochen 
auch erneut über den Anbau des insektengiftigen MON810-Mais abstimmen werden.

Neue Studie aus den USA: 
Oswald, K. J., French, B.W., Nielson, C., Bagley, M. (2012) 
Assessment of fitness costs in Cry3Bb1-resistant and susceptible western corn 
rootworm (Coleoptera: Chrysomelidae) laboratory colonies. 
Journal of Applied Entomology, 
http://dx.doi.org/10.1111/j.1439-0418.2012.01704.x 

Kontaktieren: 
Christoph Then, Testbiotech, [email protected], Tel. +49 (0)151 54638040

Weitere Informationen: 
Dossier von Testbiotech
http://www.testbiotech.de/node/639

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