http://www.taz.de/!90322/

taz - 26.03.2012

Umstrittenes Pflanzenschutzmittel

Bienengift auf dem Mais-Acker

Das als Bienenkiller bekannte Gift Clothianidin darf wieder eingesetzt werden. 
Es ist zwar nur vorübergehend erlaubt, doch das schon im dritten Jahr in Folge

Von Svenja Bergt

BERLIN taz | Von Mitte März bis Mitte Juli dürfen Landwirte wieder das 
Insektizid Clothianidin einsetzen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und 
Lebensmittelsicherheit (BVL) hat eine befristete Zulassung für sechs 
Bundesländer erteilt.

Der Wirkstoff ist umstritten: Das Julius-Kühn-Institut, das dem 
Agrarministerium untersteht, wies nach dem Tod von Millionen Bienen im Jahr 
2008 Clothianidin in den toten Bienen nach. Ursache des Sterbens sei eine 
Vergiftung durch Abrieb des Pflanzenschutzmittels gewesen, so das Institut 
damals.

Die nun erteilte Genehmigung ist eine sogenannte Zulassung für 
Notfallsituationen. Die Behörde kann sie maximal für 120 Tage erteilen, wenn 
eine „Gefahr nicht anders abzuwenden“ ist. In diesem Fall geht es um den 
Drahtwurm im Mais. Die Anwendung ist laut BVL auf Flächen beschränkt, die von 
Starkbefall bedroht sind. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits acht solcher 
Zulassungen erteilt, im vergangenen Jahr waren es 35. Auch damals war 
Clothianidin dabei, genauso wie im Jahr davor.

Diese wiederholte Notfallzulassung kritisiert das Pestizid-Aktions-Netzwerk 
(PAN). „Unter dem Deckmantel der Notfallsituation werden Jahr für Jahr 
Ausnahmen für verbotene Pestizide genehmigt. Hier wird den ökonomischen 
Interessen Einzelner Vorrang vor Umwelt- und Naturschutz eingeräumt“, sagt 
Geschäftsführerin Carina Weber. 

Imker hadern

Das Netzwerk hatte im vergangenen Jahr europaweit ausgewertet, wie die Ländern 
mit den Notfallzulassungen umgehen. Das Ergebnis: Innerhalb von vier Jahren sei 
die Zahl der Genehmigung von 59 auf 310 gestiegen. Ausweichmöglichkeiten sieht 
Imker Manfred Hederer vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund nicht. „Wo 
sollen wir denn hin?“, fragt er. Bienen hätten einen Flugradius von 3 bis 5 
Kilometern, in Ausnahmen auch bis zu 10 Kilometern.

Das BVL argumentiert, dass sich bei dem in der Vergangenheit genutzten Mittel 
viel Staub gebildet habe, der beispielsweise auf Obstbäume gelangt sei – die 
sind eine der Hauptnahrungsquellen der Bienen. Das sei bei dem nun zugelassenen 
Mittel nicht zu erwarten.

Trotzdem gebe es Auflagen: Etwa müssten sich Landwirte eine Notwendigkeit der 
Nutzung vom örtlichen Pflanzenschutzamt bestätigen lassen, nur dann gebe es 
einen Berechtigungsschein zum Kauf der Substanz. Darüber hinaus müssten Imker 
informiert werden, wenn sie in einem Umkreis von 60 Metern des behandelten 
Feldes Bienenstände haben.

„Die ständige Ausweitung des Maisanbaus ist nicht akzeptabel, wenn diese nur 
mit der Ausbringung gefährlicher Agrochemikalien möglich ist“, kritisiert 
Philipp Mimkes von der Coordination gegen Bayer-Gefahren. Der Konzern 
produziert das nun befristet zugelassene Insektizid „Santana“, das Clothianidin 
enthält. Auch Heberer gibt dem langjährigen Anbau in Monokulturen die Schuld. 
Wechsle man die angebauten Pflanzen, sei der Einsatz des Insektizids unnötig.

_______________________________________________________________________

++ Weitergeleitet durch DNR Redaktionsbüro Fachverteiler ++ Bitte entschuldigen 
Sie doppelte und unverlangte Sendungen ++ Bitte ggf. in eigener Organisation 
weiterleiten ++ Fachverteiler abbestellen: 
mailto:[email protected]?subject=keine-mails ++ Veröffentlichungsrechte bei 
den AutorInnen ++ Weitere Umwelt-Infodienste: www.dnr.de/umweltinfo ++ 
Umweltpolitische Monatszeitschrift: www.dnr.de/umwelt-aktuell ++ Bitte prüfen 
Sie, ob diese E-Mail wirklich ausgedruckt werden muss. Danke! ++

_______________________________________________
Pressemeldungen mailing list
[email protected]
https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen

Antwort per Email an