-----Original Message----- Feed: EU-Infothek - Top Stories Posted on: Saturday, August 31, 2013 Author: Redaktion EU-Infothek Subject: EU-Entwurf zu Bioenergie durchgesickert - Kritik von Umweltschützern
Von Craig Willy, dpa Brüssel (dpa Insight) - Die EU-Kommission setzt auf Biomasse zur nachhaltigen Energieerzeugung. Einen entsprechenden Richtlinienentwurf hat die Behörde im August in Umlauf gebracht. In dem Dokument, das dpa Insight EU vorliegt, geht es um die Bedingungen zur Förderung von Biomasse. Auf diese Weise will die EU doch noch ihr Ziel erreichen, bis 2020 den Energiebedarf zu 20 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken. Umweltschützer kritisieren den Entwurf scharf - und sorgen sich um die verblieben Urwälder. Dagegen begrüßte die Bioenergie-Branche den Entwurf. Sie sieht darin ein einheitliches Regelwerk, das EU-weit definiert, wie der CO2-Ausstoß berechnet wird und welche Eigenschaften nachhaltig erzeugte Biomasse haben muss. Hoher Anteil von Biomasse an Energiegewinnung Über Biomasse wird in der Energiedebatte bei weitem nicht so viel gesprochen wie über Windräder oder Solarenergie - dabei liefert feste Biomasse - beispielsweise Holz - schon mehr als die Hälfte der erneuerbaren Energie in der EU. Nach Eurostat-Berechnungen war Holz 2010 allein die Quelle von 49 Prozent der gesamten erneuerbaren Energie in der EU. In Mitgliedstaaten wir Litauen, Polen und Estland sind es teils sogar mehr als 80 Prozent. Biogas wird vor allem beim Abbau organischen Materials wie Dünger oder Abfall hergestellt. Den gegenwärtigen Plänen zufolge erwarten die EU-Mitgliedstaaten, dass feste Biomasse und Biogas künftig mehr als die Hälfte der erneuerbaren Energie liefert. Diese soll bis 2020 mehr als 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs decken. Die EU importiert zusätzlich eine erhebliche Menge an Biomasse aus Holz, vor allem Späne und Schrot. Diese stammen vornehmlich aus Wäldern in Kanada, Russland und den USA. Nach Einschätzung von Umweltschützern stellt der Kommissionsentwurf eine Gefahr für diese Wälder dar. Gesetzentwurf eigentlich schon für Ende 2011 geplant Ursprünglich hatte die Kommission schon bis Ende 2011 einen neuen Entwurf zum Thema Biomasse vorzulegen. Die Verzögerung von mehr als 18 Monaten zeigt, als wie heikel das Thema von den Entscheidungsträgern der EU angesehen wird. Denn diese müssen einen Ausgleich finden für ganz verschiedene Ansprüche - von Energieversorgung und Umweltschutz bis hin zu den Interessen der EU-Mitgliedstaaten. Vor allem Finnland, Schweden und Österreich sind wichtige Produzenten von Biomasse. Umweltschützer vermuten, dass der Entwurf im ruhigen Monat August gewissermaßen zur «dienststellenübergreifenden Konsultation» in Umlauf gebracht wurde, um Streit zu vermeiden. Viele Mitarbeiter waren da nämlich noch im Urlaub. Die Europäische Kommission äußerte sich bislang nicht zum Entwurf. Sie erklärte lediglich, dass nicht veröffentlichte Dokumente nicht kommentiert würden. Biomasse soll CO2-Ausstoß um 60 Prozent verringern Ziel des Richtlinienentwurfs ist es, Empfehlungen durch rechtlich verbindliche Nachhaltigkeitskriterien für feste und gasförmige Biomasse zu ersetzen, die für die Stromerzeugung, Heizung und Kühlung verwendet wird. Damit würde festgelegt, ob die Mitgliedstaaten Biomasse zur Energieerzeugung nutzen, um so ihre Ziele für 2020 zu erreichen - und inwieweit Biomasse finanziell gefördert werden kann. Der Text definiert «nachhaltige» Biomasse als solche, deren CO2-Ausstoß um 60 Prozent geringer ist als bei fossilen Energieträgern. Biomasse solle «nicht in Gegenden mit hoher Biodiversität» geerntet werden und mit nachhaltiger Forstwirtschaft vereinbar sein. Der Gesetzesentwurf enthält auch EU-weit harmonisierte Zahlen zur Berechnung des CO2-Ausstoßes im Falle der verschiedenen Biomassearten. Was ist nachhaltige Forstwirtschaft? Laut Kommissionsentwurf ist darunter zu verstehen: «Nachhaltig bewirtschaftete Wälder im Einklang mit internationalen Prinzipien und Kriterien, denen zufolge die Ernte von Biomasse durch nachhaltige Produktion unter Bewahrung von Biodiversitätsressourcen durchgeführt wird, durch die der Vorrat an Kohlendioxid mittel- oder langfristig konstant bleibt oder zunimmt.» Um übermäßigem Bürokratieaufwand aus dem Wege zu gehen, sollen die Kriterien nur für große Biomasseanlagen mit mehr als 1,0 Megawatt elektrischer oder 2,5 Megawatt thermischer Leistung gelten. Beispielsweise Bauern, die Brennholz zum Heizen ihrer Häuser nutzen, wären somit nicht betroffen. Das Kriterium des um 60 Prozent geringeren CO2-Ausstoßes würde außerdem nur für solche Biogasanlagen gelten, die nach Inkrafttreten der Richtlinie errichtet werden. Hauptstreitpunkte Der zugespielte Entwurf ist unter heftigen Beschuss von Umweltschutzgruppen geraten. Sie kritisieren, dass bestimmte Probleme wie beispielsweise das Ausströmen von Methan, die sogenannte Kohlenstoffschuld und indirekte Landnutzungsänderungen (ILUC) ausgeklammert werden. Der Entwurf bezeichnet den Verbrauch von Biomasse als CO2-neutral - im Gegensatz zum Anbau, zur Verarbeitung und zum Transport. Der Verbrauch selber trägt also nicht zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. Geht es um Biomasse aus Holz, müssten zunächst Bäume und andere Vegetation nachwachsen, um CO2 wieder absorbieren zu können. Dieser Prozess kann Jahre dauern. Die Idee hinter diesem Konzept nennt sich «Kohlenstoffschuld». Von indirekten Landnutzungsänderungen spricht man, wenn Nahrungsmittelproduktion durch Bioenergieproduktion ersetzt wird. Dadurch geraten Bauern unter Druck, neue Felder für Nahrungsmittel zu bewirtschaften. Dies führt letztlich oft zur Rodung von Waldflächen. Das Problem wird im Entwurf nicht erwähnt. Die Umweltschutzgruppe Birdlife Europe nannte dies «erstaunlich in Anbetracht der Tatsache, dass die Kommission selber vor kurzem einen Entwurf zum Umgang mit ILUC vorlegte, der von Biosprit verursacht wird». Das Europäische Parlament wird im September 2013 über einen anderen Entwurf abstimmen, der sich mit ILUC bei der Nutzung flüssiger Biokraftstoffe befasst. Vertreter der Industrie bezweifeln, ob das Problem der indirekten Landnutzungsänderungen bei Biomasse aus Holz genauso relevant ist wie bei Biokraftstoff aus Pflanzen. View article... http://tinyurl.com/m72l479 _______________________________________________ Pressemeldungen mailing list [email protected] https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen
