NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 60/15 | 27. MAI 2015
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Artenschutz International 
Bis zu 85.000 Saiga-Antilopen in Kasachstan fallen Massensterben zum
Opfer
NABU: Ein Drittel des Weltbestandes verendet – dramatischer Rückschlag
für Schutzbemühungen
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Berlin – Bis zu 85.000 Saiga-Antilopen sind in Kasachstan binnen
weniger Tage gestorben – ein Drittel des gesamten Weltbestandes. Die
kasachischen Behörden sowie internationale Experten sind bereits seit
Tagen vor Ort, um ein genaues Bild der Lage zu bekommen.
„Saiga-Antilopen sind bereits ohne derartige Katastrophen stark
bedroht. Ein Massensterben dieses Ausmaßes bedeutet einen dramatischen
Rückschlag für die Schutzbemühungenzum Erhalt dieser Art“, sagte
NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt. Der NABU engagiert sich bereits
seit vielen Jahren für den Saiga-Schutz in Kasachstan und trägt dazu
bei, ein stärkeres Bewusstsein für die wichtige Rolle der Art im
Steppen-Ökosystem zu schaffen und das illegale Töten dieser besonderen
Tiere zu verhindern.
 
Das derzeit betroffene Gebiet umfasst etwa 16.000 Hektar und liegt in
den weiten Steppen Zentralkasachstans in der Koustanay Region, welche
mit der Bekpak-Dala-Population die meisten Saigas beherbergt. Hier
wurden die ersten toten Tiere Mitte Mai gefunden und die Zahlen seither
täglich nach oben korrigiert. Das kasachische Landwirtschaftsministerium
geht davon aus, dass das Sterben weitergeht und die Zahl der toten Tiere
noch weiter ansteigt. Ein solches Massensterben von Saigas ist nicht
neu: 1984 starben etwa 100.000 Tiere, 1988 waren es sogar 634.000. Im
Mai 2010 starben 12.000 Tiere, im Jahr darauf 500. Die Gründe dafür sind
bisher nicht abschließend geklärt: Krankheitserreger, Vegetation sowie
klimatische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Die toten Tiere
haben Schaum vor dem Mund und Diarrhoea. Vor allem Weibchen und ihre
Kälber scheinen betroffen zu sein – Mitte Mai versammeln sie sich in
riesigen Herden, um alle zur selben Zeit innerhalb von nur etwa einer
Woche ihre Jungen zu bekommen. Veterinäre haben den Erreger Pasteurella
festgestellt, der allerdings natürlicherweise in der Saiga-Population
präsent ist und dessen Ausbruch als Symptom anderer Stressfaktoren zu
interpretieren ist. 
 
„Die Steppe ist im Wandel, da viele Äcker brach liegen und dadurch
bestimmte Frühjahrsblüher stellenweise massenhaft auftreten. In
Kombination mit starken Regenfällen kann es dann unter anderem zu
Vergiftungen kommen“, erklärte Til Dieterich, NABU-Sprecher der
Bundesarbeitsgemeinschaft Eurasien. Er hoffe, dass die beteiligten
Wissenschaftler und Organisationen eng zusammenarbeiten und den Gründen
für das dramatische Massensterben möglichst schnell auf den Grund gehen.

 
Laut IUCN gelten Saiga-Antilopen als stark bedroht. In den neunziger
Jahren sind die Bestände von mehr als einer Million auf nur knapp 40.000
Tiere eingebrochen. Gründe dafür sind massive Wilderei und die Jagd nach
den Hörnern der Saiga-Männchen – einem nachgefragten Rohstoff in der
traditionellen chinesischen Medizin. Nur durch gezielte Schutzaktionen,
ein striktes Jagd- und Handelsverbot sowie ein internationales
Saiga-Abkommen zwischen allen fünf Arealstaaten unter dem Dach der
Bonner Konvention konnte sich die Art in den letzten Jahren wieder
leicht stabilisieren. Letzte Schätzungen hatten die Saiga-Bestände in
Kasachstan auf etwa 200.000 Tiere und im gesamten Verbreitungsgebiet auf
260.000 Tiere beziffert. „Diese Zahlen müssen nun wieder dramatisch nach
unten korrigiert werden“, so Dieterich.
 
 
Ein Pressefoto von Saiga-Antilopen ist kostenfrei über die
NABU-Pressestelle zu beziehen. 
 
 
Für Rückfragen:
Til Dieterich, NABU-Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Eurasien,
mobil (Deutschland): +49 (1520) 2794675, mobil (Kasachstan): +7 (702)
2425596, 
E-Mail: [email protected]
 
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