NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 83/15 | 29.JUNI 2015
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Umwelt/Natur/EU
NABU: Wacholderheiden – von Schafen geschaffen, von der EU geschützt
Bedeutender Naturschatz in Europa - „Fitness-Check“ darf nicht zum
Naturschutz-Abbau führen
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Berlin – Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Prüfstand: Bis
zum 24. Juli haben alle Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedstaaten
die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer möglichen
„Modernisierung" der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den Natur- und
Artenschutz zu äußern:  der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) -und der
Vogelschutzrichtlinie. Mit der Aktion „Naturschätze retten“ stellt der
NABU jede Woche unter www.NABU.de/naturschaetze ein Gebiet, eine Art
oder einen Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne
diesen verloren gehen könnten. 
 
Die Wacholderheiden der Schwäbischen und der Fränkischen Alb zeichnen
sich durch einen immensen Artenreichtum aus: Orchideen, Schmetterlinge,
Wildbienen und Vögel finden hier Überlebensraum. „Was viele nicht
wissen: Diese Naturparadiese sind nicht natürlich entstanden. Sie sind
das Ergebnis einer jahrhundertelangen Schafbeweidung“, erklärt der
Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg Andre Baumann. „Wacholderheiden
gehören zu den ältesten durchgehend existierenden Kulturlandschaften der
Menschheit. Manche werden seit der Bronzezeit beweidet.“
 
Durch die Beweidung haben sich die typischen Strukturen ausgebildet:
Magere Grasflächen, die von einzelnen Wacholderbüschen unterbrochen
sind. Viele Lebewesen haben sich an diese besondere Landschaft angepasst
und brauchen sie zum Überleben. Zudem konnten unzählige Pflanzenarten
einwandern. Denn Schafe transportieren Unmengen von Pflanzensamen in
ihrem Fell – auch über weite Strecken.
 
Solange die Schäfer mit ihren Herden über die Alb wanderten, war die
Existenz der Wacholderheiden gesichert. Doch inzwischen ziehen immer
weniger Schafherden übers Land. Die Folge: Der Wald holt sich die
Wacholderheiden Stück für Stück zurück.
 
„Deshalb sind für diese Lebensräume die EU-Naturschutzrichtlinien so
wichtig: Sie sorgen dafür, dass diese auch kulturhistorisch und
touristisch so wertvollen Biotope geschützt sind und weiter bestehen.
Sie sorgen dafür, dass Schafhalter in den Natura 2000-Schutzgebieten
finanziell unterstützt werden. Und sie verpflichten das Land, den
unzähligen Tier- und Pflanzenarten, die auf Wacholderheiden leben,
weiterhin eine Überlebenschance zu bieten“, betont Baumann. 
 
Mit Blick auf die EU-Bürgerbefragung zum „Fitness-Check“ möchte der
NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich für starke
Naturschutzgesetze in der Europäischen Union auszusprechen. Einige
Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen bereits die Abschwächung
der Fauna-Flora-Habitat- (FFH)- und Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz
von allein in Deutschland über 5.000 Natura-2000-Gebieten könnte damit
geschwächt werden. Die Jagd auf Zugvögel und Wölfe, der Schutz von
Fledermäusen, Bibern und Wacholderheiden stünde wieder zur Debatte. 

Der NABU fordert nicht nur den Erhalt der EU-Vogelschutz- und
FFH-Richtlinie, sondern auch eine konsequentere Durchsetzung und
Finanzierung der geltenden Naturschutzstandards. „Wenn die
EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten es
ernst meinen mit dem Stopp des Artensterbens bis 2020, wozu sie sich
verpflichtet haben, dann muss eine breit angelegte Naturschutzoffensive
eingeleitet werden. Das bedeutet: mehr Geld und mehr Personal für die
Naturschutzverwaltungen, aber auch klare Bestimmungen für Schutzgebiete
sowie empfindliche Strafen für illegales Töten von Zugvögeln in der
ganzen EU“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. 

Der NABU stellt seit Ende April jede Woche eine geschützte oder
gerettete Art, einen Lebensraum oder ein Natura-2000-Gebiet über die
NABU-Internetseite, Presse, soziale Medien und auf Veranstaltungen vor,
die alle vom EU-Schutz abhängen. Dazu zählen neben den Wachholderheiden
auf der Schwäbischen Alb, der Wolf und der Biber, ebenso wie das Große
Torfmoor in Nordrhein-Westfalen, das Tegeler Fließtal der Hauptstadt
Berlin, der Buchenwald Grumsin oder das Nationale Naturerbe „Weinberg
Wetzlar“.
 
Weitere Informationen zum Fitness-Check und zur EU-Online-Konsultation:
www.NABU.de/naturschaetze
 
Geben Sie Ihre Stimme für  unsere Naturschätze:
www.NABU.de/naturschaetze 
 
Mehr Infos & Pressefotos
www.NABU.de/presse
 
Für Rückfragen:
Hannes Huber, Sprecher des NABU Baden-Württemberg, 0711-966 72-16,
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