läuft mittlerweile seit gut 20 Jahren (Planung zkm 1984, khm Anfang 80er).

ars electronica 1979, IRCAM 1970, Gene Youngbloods 1970, Bauhaus

... man findet immer vorläufer. bis man bei platons höhle landet.
es ging mir nur um ein paar daten zur institutionalisierung eines labels in deutschland.


Ohne diese handfesten wirtschaftlich-politischen Interessen würde es den
"Medienkunst"-Betrieb in seiner heutigen Form nicht geben, vielleicht
nicht einmal das Wort "Medienkunst", das ja kunsttheoretisch unsinnig
ist [weil jede Kunst Medien involviert]

wohl wahr. aber : war medienkunst dann eine subventionsruine oder ein "freiraum". oder beides: ein freiraum in der subventionsruine?

Für den großen Rest der Kunst bleibt es sich ziemlich gleich, welches Medium eingesetzt wird.

An diesem Punkt möchte ich widersprechen. Wie Walter Benjamin ja bereits
1936 feststellte,

oh, ja: hatte ich ganz vergessen.
nein - ganz im ernst: viele künstler legen sich nicht mehr auf ein medium fest, sondern gehen souverän mit vielen medien parallel um - die alle mehr oder weniger ausstellbar sind. also bleibe ich dabei: auch für die ausstellbarkeit ist es zweitrangig, welches medium eingesetzt wird.

jodi, Mongrel und I/O/D,
Heath Bunting, 0100101110101101.org, Cornelia Sollfrank,
socialfiction.org, ubermorgen.com, Yes Men, um nur einige zu nennen,
deren Arbeit für mich zur interessantesten zeitgenössischen Kunst
gehört.

da sehe ich ein ganz anderes problem: von den kulturell und sozial produktiven entwicklungen im netz kam und kommt fast nichts aus dem kunst-ghetto. leider um so mehr aus den brutstätten der kalifornischen ideologie. kunst hat das soziale potenzial des netzes weitgehend ungenutzt gelassen, bzw. in kunst-typischen ego-projekten verschlissen. kunst im netz ist (wie anderswo auch) keine kulturelle avantgarde. sie versucht, sich mit dem, was von den anwendungen und techniken am rand übrigbleibt, in subventionierten freiräumen zu profilieren. es gibt ausnahmen, aber nicht viele. ich halte ein projekt wie flickr für interessanter als die ganze netzkunst der letzten 20 jahre.

Die beiden letzten Documentas haben gezeigt, wie die Fixierung auf ein
"Medium" durch inhaltliche und thematische Schwerpunkte abgelöst wird.

Sicherlich wäre das gut - wobei mich Deine Position allerdings erstaunt
angesichts der Tatsache, daß Du zuvor auf dieser Liste für eine
Medientheorie plädiert hast, die technischen Medien ein Diskurs-a priori
zuschreibt.

natürlich ziehe ich einem möglichst eindeutigen und engen begriff technischer medien vor. um sehen zu können, wo sie wirkungen (gerne a-priori) hervorrufen und wo nicht. in der kunst: nicht. das hat auch gründe.

im übrigen:
ws nutzt mir ein medienbegriff, der alles mögliche einschließt - von der liebe bis zum schaltkreis - wenn er danach nicht mehr dazu taugt, eine klare aussage zu formulieren.

wie der "Medienkunst"-Betrieb auf Techno-Kitsch à la Shaw reinfällt, tat
es die letzte Documenta auf den Ethnokitsch von Shirin Neshat...
dem stimme ich vollkommen zu.

Stefan

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