On Mon, 8 Feb 1999, Johann Kappacher wrote:
>
> Die Frage ist, ob man nicht ueber den Umweg der Script-Sprachen
> zu ausgewachsenen Prog-Sprachen gelangen sollte.
Ich stosse mich ein wenig an dem "ausgewachsen". Soll das
heissen, dass Scriptsprachen "nicht wirklich praktisch oder
nutzbringend" sind ? Das scheint eine Frage des Einsatzgebietes
zu sein. Ich sehe sogar die nicht einmal kleine Chance, dass
wer eine vernuenftige Scriptsprache kennt keinen Grund fuer
Compileraufrufe sieht.
Konkret: Was KANN man mit Perl NICHT machen ? Datenbanken
anfassen, Netzwerk programmieren, Rechnen, Files verwursten,
Oberflaechen basteln, Fremdprogramme fernsteuern -- alles
KEIN Problem. Und was MUSS man alles NICHT selbst machen,
womit man andernorts alle Naselang auf dem Bauch landet ?
Speicherverwaltung, Grundstrukturen wie Listen und Felder,
aufwendiges Filehandling, die Integration externer Programme
(die schon da sind und ihre Funktionalitaet nachgewiesen
haben!), ... Manche Probleme sind schon ganz von allein
schwierig genug, andere werden es erst mit fortlaufender
Entwicklungsarbeit :). Da muss man sich die Schwierigkeiten
nicht noch freiwillig auf den Tisch ziehen. Was das alte
Geruecht der fehlenden Performanz angeht: Bei Oberflaechen
ist es egal, wie schnell der Rechner auf den User wartet.
Zu beachten ist ferner, dass der interpretierte Code recht
weit oben vom Abstraktionsniveau her angesiedelt ist und
damit ueber WEITE Teile hinweg auf hochoptimierte Routinen im
Interpreter und den Bibliotheken zugreift (die wieder einmal da
und erprobt und sehr effizient sind). Und ab einer gewissen
Groesse des Projektes verschwinden die Laufzeitunterschiede,
die durch den aufwendigen Interpreterstart und die anfaengliche
Vorkompilierung eigentlich nur fuer kleine Quellen zuungunsten
von Perl verschoben sind. Die Vorteile des stark vereinfachten
Handling der immer wieder auftretenden Grundprinzipien wiegen
den minimalen Verlust in jedem Fall auf, wenn die Nutzung der
vorhandenen Routinen nicht sogar jede selbst erst erfundene
und nicht ganz so runde Funktionalitaet in den Schatten stellt.
Heinz Diehl, liest Du ueberhaupt nocht mit ? Das waere Dein
Stichwort gewesen :> Ich fuer meinen Teil bedaure jedenfalls,
dass ich bisher die Chance verpasst habe mit Perl ANZUFANGEN.
Wer aber ohnehin die Muehe des Einarbeitungsaufwandes hat,
sollte Perl ernsthaft in Erwaegung ziehen. BTW sollte man mit
ein wenig Eigendisziplin in jeder beliebigen Sprache lesbaren
Code produzieren koennen -- schon aus blankem Selbstschutz. Und
auf keinen Fall zu verachten ist es, wenn man "seine" Sprache
schnell mal am Prompt einsetzen kann, um gerade auftretende
Probleme fix zu loesen. Fuer jeden Dreck erst einmal den
Code an mehreren Stellen anzupassen, dabei auf etliche Details
aufpassen zu muessen und dann noch den Compiler zu bemuehen,
hindert IMHO die Einsatzfreude bei den herkoemmlichen Sprachen
gewaltig.
Um es kurz zu machen (wer lacht da gerade ? :> ) -- vielleicht
gibt es ja nicht einmal EINEN ueberzeugenden Grund, eine
der "klassischen" Programmiersprachen wie C zu lernen oder
einzusetzen, ausser dass es eben von der Tradition her (also
eher zufaellig) gesprochen wird ...
Von der Anzahl (und Wichtigkeit) unterstuetzter Plattformen
her moegen Java und Perl noch vergleichbar sein. Aber ich sehe
Perl an dem Punkt im Vorteil, wo es um die fuer UNIX typische
Integration der vorhandenen Tools oder die Zusammenfassung /
das Einpacken der permanent genutzten Kommandos zur Bewaeltigung
der taeglichen Aufgaben geht. Wer natuerlich an bestehenden
Projekten teilhaben will, hat evtl nicht diese Freiheit in der
Entscheidung, sondern MUSS einfach die dort eingesetzte Sprache
lernen. In der Beziehung haette die urspruengliche Frage
auch ein wenig konkreter sein koennen. Sonst kann man auch
fragen "Ich brauche ein Auto -- welches kaufe ich mir also ?".
So gesehen kann diese Antwort also voll daneben gewesen sein,
vielleicht hat's trotzdem anderen einen Denkanstoss versetzt ...
So, jetzt habe ich mich ein wenig erleichtert. Zu diesem
Thema werde ich also demnaechst nicht wieder so ein Pamphlet
verfassen, sondern maximal mit Vollzitat drohen, falls jemand
zu einer derart allgemeinen Frage das Posten in die Liste dem
Besuch im Archiv vorzieht :> Ansonsten gilt wie immer die sig.
Gerhard Sittig
--
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--
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