Erstmal danke für die weiteren Schilderungen in der Entwicklung von Neo. Die
Beweggründe hinter manchen Entscheidungen halte ich für das Interessanteste,
noch mehr als die Entscheidungen selbst.
Nein, man lernt es einmal, und dann ist man froh über die erhöhte
Effizienz. Und auch froh über die leichten Merkregeln zum Lernen. Deshalb
ist auf Ebene 6 das ℝ über dem r usw. Oder das ä unter dem a (in dem
Fall gleiche Ebene). Solche Dinge wurden an sehr vielen Stellen eingebaut
und führen dazu, dass das Lernen von Neo gar nicht so schwierig, sondern
irgendwie intuitiv ist.
Aber wie wichtig ist gute Lernbarkeit im Verhältnis zu guter äh Tippbarkeit?
Das eine benötigt man nur einmalig bzw. für eine überschaubare Zeitperiode
zu Beginn. Das andere hat anschließend ständige Auswirkungen. Klingt für
mich, als wäre es angebrachter, Nachteile bei der Lernbarkeit in Kauf zu
nehmen, wenn sich dann Vorteile im Tippen ergeben.
Man kann aber Lernbarkeit dort hinpacken, wo sie keine Nachteile entwickelt.
Das ä unter dem a ist gut zum Lernen, und vielleicht ist es sogar gut im
Buchstabenlayout als ganzes. Jedoch sollte man das nicht als Restriktion
vorgeben (entsprechendes gilt für die Copy/Paste-Tasten), wenn man dann
Nachteile hat, oder zumindest nicht alle Optionen in Betracht zieht.
Anders sieht es beim ℝ aus, da hat man den klaren Vorteil bei der
Lernbarkeit, weil es, wie du schreibst, intuitiv daherkommt. So, warum gilt
hier ein anderes Maß? Weil Ebene 6 fast nur aus einzelnen Zeichen besteht
und man nicht auf Kombinationen (n-Gramme) achten muss. Die Güte der
Anordnung der Zeichen ist daher viel einfacher zu gewichten. Position
(Finger, Reihe) genügt. Und selbst da ist es wenig entscheidend, ob ein ℝ
nun mit dem Zeigefinger oder dem kleinen Finger getippt wird. Das
nächstfolgende Zeichen ist entweder ein Leerzeichen oder vielleicht (bei
TeX) ein Unterstrich, selten etwas anderes.
Daher kann man sich hier auf Lernbarkeit konzentrieren, ohne die Tippbarkeit
zu beschränken. Im Buchstabenlayout sind aber n-Gramme von entscheidener
Bedeutung, für beides. Die Tippbarkeit hat Dutzende Kriterien, und die
Lernbarkeit für sowas wie „ä unter a“ ist zwar gegeben, aber hat einen
geringen Stellenwert. Merken tut man sich nämlich Kombinationen wie är, bä,
nä, äch, usw. Diese müssen gut zu tippen und gut zu lernen sein. Und hier
tut sich eben der Punkt auf, dass die tausend wichtigsten Bi- und Trigramme
kaum noch durch irgendwelche Merkregeln schneller zu lernen sind. Sie
unterscheiden sich kaum voneinander. Man muss sie einfach lernen, da führt
nichts dran vorbei. Und erst dann wird ein Layout schnell.
Diese Tatsache, dass aus 30 Positionen eher 1000 Kombinationen werden,
scheint mir häufig übersehen zu werden.
Auf Ebene 4 und auch auf Ebene 3 und sogar 5 und 6 ist nicht alles nach
diesem Schema sortiert. Die Pfeiltasten sind halt unter den stärksten
Fingern der linken Hand. So wie symmetrisch(!) auf der rechten Hand die
Ziffern der stärksten Finger liegen. Also auch das ist irgendwie
„intuitiv“/logisch.
Dem stimme ich zu. Das entspricht auch dem oben geschriebenen (tatsächlich
ohne dass ich diesen Absatz vorher gedanklich im Kopf hatte) –
Positionierung als einziges Kriterium, weil es keine n-Gramme gibt. Die
Intuition hilft hierbei, dass man gar nicht mal „lernen“ muss, sondern es
ergibt sich automatisch als default, der dann beim Tippen bestätigt und
somit gefestigt wird.
Die Zeichen/Funktionen │⌧│⇥│⎀│⏎│↶| auf Ebene 4 sind
alle wesentlich besser erreichbar als die echten Tasten (Escape und Tab
und Enter, oh je, und die Einfg-Taste ist sogar ganz weit weg, da muss man
die Hand heben). Die Undo-Funktionalität wurde ziemlich am Ende noch
eingebaut, weil noch Platz war, und das doch häufig von den damals an der
Diskussion teilnehmenden benutzt wurde.
Das ist auch interessant, weil es ja keine Taste ist, also weder ein
Character noch eine virtuelle Taste wie Pfeiltasten oder F12, sondern eine
ausgelöste Tastenkombination (Strg+Z). Ob das nun wirklich vorteilhaft ist
(das Neo-Z / Qwertz-B finde ich schlechter zu erreichen als das Qwertz-Z),
sei dahingestellt. Als kleinen Vorteil sehe ich es, wenn man bereits Mod4
gedrückt hat.
<>(){}[] liegen ebenfalls schön symmetrisch, gut tippbar und leicht lern-
und merkbar. Ich finde auch dass <!-- noch ganz gut zu tippen ist. Ist es
bei Qwertz oder Qwerty etwa besser? Auf gar keinen Fall.
Die Klammern finde ich auch spitze. Insgesamt die ganze Ebene3, die ja recht
leicht lernbar angeordnet ist. Und natürlich ist „<!--“ auch in Qwertz nicht
gut zu tippen. ^^ Ich finde meine Mail dazu gerade nicht wieder, aber
bestimmt wollte ich damit nicht den Vergleich zu Qwertz suchen, sondern nur
hervorheben, dass Ebene3 eben _nicht_ auf n-Gramme ausgelegt ist, sondern
auf einzelne Zeichen. (Es gab ja auch keinen zugehörigen
Programmiersprachen-Korpus, der bspw. viele HTML-Kommentare enthalten
hätte.) Und einzelne Zeichen lassen sich, wie jetzt lang und breit
erläutert, gut auf Lernbarkeit optimieren, ohne dass Tippbarkeit leidet.
qwertfisch
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