Guten Morgen :)

Am 18.09.2025 21:32, schrieb Erik del Toro Streb:

Ich nutze selbst die Ebene 4 nicht

Tatsächlich? Gibt es dafür einen Grund? Hast Du Dich aktiv dagegen entschieden? Oder wie kann man diese super praktische Hilfe, die so viele Dinge leichter erreichbar macht, nicht nutzen? Interessiert mich wirklich.

Gut, dann versuche ich mal meine Antwort umfassend neutral-erklärend zu formulieren.

Ausgehend von einer Standardtastatur hat man natürlich alle Navigationstasten (Pfeiltasten und den Sechserblock drüber) dediziert verfügbar. Diese Tasten liegen zwar etwas weiter weg, sind für mich aber gut und blind zu erreichen. Da die Tasten abgesetzt sind von allen anderen, sind meine Finger auch ohne Hinschauen sofort korrekt positioniert. Gleiches gilt für den Nummernblock – dieser hat sogar extra für diesen Zweck eine haptische Leithilfe auf der „5“.

Ebene 4 habe ich auch ausprobiert um zu schauen, inwieweit es für mich eine praktische Hilfe ist, die in erster Linie Handbewegungen sparen würde. An dieser Stelle sei gefragt, ob es noch weitere Vorteile gibt, die ich vielleicht übersehe? Mir fällt nur ein, dass eben alles im Hauptfeld arrangiert ist, was in der Regel einen Geschwindigkeitsvorteil gibt. Ich muss meine Hand nicht verschieben, und die Finger sind in der Grundstellung ja bereits korrekt positioniert.

Diesen Vorteil sehe ich bei Ebene 3 sehr deutlich, weswegen ich sie auch intensiv nutze. Auf einem Qwertz-Layout sind die Sonderzeichen entweder mit Shift+Ziffer zu tippen, oder umständlich mit AltGr plus irgendwas am Rand der Tastatur (oder auch auf den Zifferntasten). Ich habe hier also einen Modifier und eine weitere Taste, für die ich meine Finger neu positionieren muss – im Fall der Zifferntasten habe ich es auch nicht gut gelernt, diese blind zu treffen. Meistens klappt es schon, aber Hingucken hilft mir dann doch. Bei den AltGr-Kombinationen muss ich in jedem Fall hinschauen. Zudem finde ich AltGr generell nicht gut positioniert. Ich muss meine Hand in jedem Fall verschieben, was bei allen anderen Modtasten nicht der Fall ist. (Vielleicht liegt es an den langen Fingern, das wäre meine Vermutung).

Nutze ich dagegen Ebene 3, habe ich weiterhin einen Modifier (wenn auch einen anderen, aber mindestens so gut zu erreichen wie Shift), und dazu kommt eine Taste, die in jedem Fall im Hauptfeld liegt. Also genauso gut und blind zu erreichen wie alle Buchstaben. Insgesamt sind die E3-Zeichen daher stets besser zu erreichen, und ich muss nie die Hände verschieben.


Soweit die Vorrede und Details, nun komme ich zur Ebene 4. Diese bietet ein paar selten gebrauchte Zeichen auf der Ziffernreihe, hauptsächlich aber die Navigationstasten links und den Ziffernblock rechts im Hauptfeld. Der Vorteil ist also immer noch, dass die Hände in der Grundstellung bleiben können. Jedoch kommt ein für mich entscheidender Nachteil hinzu: ich benötige eine zusätzliche Mod-Taste. Das allein ist vielleicht nicht ganz so schlimm. Beim Ziffernblock wäre es wenig hinderlich, da man diesen in der Regel für längere Eingaben von Zahlen nutzt, unterbrochen von Tab, Enter, Leertaste – alles auch Tasten, die auf derselben Ebene erreichbar sind. Man muss also den Modifier nur einmal drücken und kann ihn dann belassen.

Beim Navigationsblock empfinde ich das viel schwieriger. Eine häufige Nutzung der Navigationstasten besteht bei mir auch darin, Text oder Listenelemente zu markieren. Dazu ist wiederum die Shift-Taste notwendig. Hier besteht bereits eine geschickte Abfolge aus Navigation (ohne Shift) und Markierung (mit Shift). Ich habe eine Zeit lang versucht es über Ebene 4 einzugeben. Dabei brauche ich dann aber Mod4 sowie Mod4+Shift. Und dabei bin ich einfach ständig durcheinandergekommen, welche Modtaste(n) ich nun zusätzlich drücken muss, oder welche ich loslassen kann. Oft war’s falsch. Es bringt für mich eine zusätzliche gedankliche (aber ja auch physische) Hürde mit, weil die Abfolge nicht mehr aus 0 oder 1 Mod-Taste, sondern aus 1 oder 2 Mod-Tasten besteht. Zudem hab ich beim Wechsel häufig die falsche Taste losgelassen … also generell gesagt: es verwirrt mich mehr als es nützt, und das kostet mindestens erstmal Zeit.

Diesen Zeitaufwand (und sowie mehr Hirnschmalz, weil es bewusst gemacht werden muss) rechne ich gerne gegen die bisherige Variante: Nutzung der dedizierten Navigationstasten. Ja, dafür muss ich meine Hand bewegen, das kostet objektiv Zeit. Auf der anderen Seite geschieht das unbewusst und zudem schnell, weil wie gesagt dieser Block (oder auch das Numpad) von den anderen Tasten abgesetzt sind ich sie blind finde.

Ein weiterer Vorteil der normalen Tasten ist, dass diese nicht gestaffelt angeordnet sind. Ich habe die Pfeiltasten und den Sechserblock in Matrixanordnung, direkt übereinander. Dasselbe gilt für den Ziffernblock, und das war mir beim Eingeben von Zahlenkolonnen sehr viel lieber als eine letztlich ziemlich schräge Anordnung auf Ebene 4, wenn sich bspw. die 7 schon eine Taste weiter links befindet als die 1, statt exakt über ihr. Auch das sorgte für Fehleingaben. Klar, bei den Buchstaben hab ich mich dran gewöhnt, aber beim Ziffernblock müsste ich mich auch wiederum umgewöhnen. Das wäre möglich, aber … ich sehe einfach den Vorteil nicht, den wie oben schon in einem anderen Kontext gesagt: man tippt längere Zahlenreihen ein. Der Wechsel der Hand nach rechts dauert zwar etwas länger, aber braucht nur einmalig gemacht werden. Das ist es mir wert, dafür dann eine tolle Anordnung zu haben und nicht die Mod4-Taste festhalten zu müssen. (Für wirklich einzelne Zahlen nehme ich die Ziffernreihe im Hauptfeld.) Bei einer Matrix-Tastatur würde dieser Grund natürlich wegfallen – aber die besitze ich nicht.


So, das sind meine Argumente, warum ich die Ebene 4 für mich nicht als vorteilhaft ansehe, bzw. die Vorteile der dedizierten Tasten für mich schwerer wiegen. Das könnt ihr bewerten, wie ihr mögt, es ähnlich sehen oder es ganz anders sehen. Für mich funktioniert es so prima.


qwertfisch
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