Heya,
ich hatte die Diskussion bisher nicht verfolgt, aber mir heute etwas Zeit
genommen, um das nachzuholen und etwas zusammenzufassen. Vielleicht erleichtert
das ja den Einstieg in die Diskussion für andere. Zunächst mal Pro- und
Contraargumente.
Als Argumente werden hier zunächst Punkte aufgelistet, die als Argumente in der
Diskussion genannt werden. Dies sagt nichts darüber aus, ob sie überhaupt
Argumente oder gar gute sind. Nur Leute meinten, dass es welche sind.
Pro:
* Kandidatinnen könnten „nicht ermutigt“, „vergessen“ oder „demotiviert“ werden
nicht zu kandidieren (Sozialisation)
* Aus der Position des Vereins heraus kann man den gesellschaftlichen Zustand
verändern
* Eine Diskriminierung entsteht nicht durch die Regeln, sondern im
Unterbewusstsein der Wähler
* Auf ein Amt, das mit Männern ausgefüllt ist, bewerben sich Frauen tendenziell
seltener, als auf ein Amt das paritätisch besetzt ist
* In einer Organisation mit geringerer Frauenquote im Vorstand treten eben auch
nicht so viele Frauen wie Männer ein
* Die „Holzhammermethode“ ändert die Sozialisation, da zur Sozialisation auch
gehört, wie Vorstände/Gremien besetzt werden
* Frauen werden nicht genötigt zu kandidieren. Sie werden ermutigt („wir wollen
Frauen im Vorstand“)
* Die Abstimmung über eine Quote ist auch eine Abstimmung darüber, ob wir
Frauen im Vorstand wollen und ob wir sie dazu ermutigen
* „Wenn die Maßnahme die freie Wahl der Mitglieder einschränken würde hätten
wir keine geeigneten weiblichen Vorstandskandidaten“
* Ein Männerhaufen schreckt Frauen ab
* In allen Parteien/Jugendorganisationen gibt es zu wenig Frauen
* Ablehnung des Erfassung des Geschlechts spricht nicht gegen Frauenquote
* Der Verein legt sich selbst ein Ziel vor, das erreicht werden soll
* Das Problem „Keine Frauen in Vorständen“ wird mit einer Quote imo noch am
effektivsten angegangen
* Der Verein muss sich bei der Vorstandsbesetzung nicht an der Verteilung der
Mitglieder im Verein, sondern in der Gesellschaft orientieren
Contra:
* „...Wir haben keine Quoten in Bezug auf [...] Geschlecht...“ (Zitat aus dem
Leitbild)
* Kandidatinnen werden bei Abstimmungen bei den JuPis nicht benachteiligt
* Problem der falschen Sozialisation wird nicht gelöst, sondern der Ist-Zustand
geändert. (Holzhammermethode) Auf rückwirkende Veränderung kann man nur hoffen
* Fragwürdige Stärkung des Selbstbewusstseins, bei Nötigung zur Kandidatur
* Fragwürdige Änderung der „vorurteilbehafteten Wahrnehmung“ der Abstimmenden
* Unterstellung: „Junge Piratinnen kandidieren nur, damit die Quote erfüllt
wird“
* Die freie Wahl der Mitglieder wird eingeschränkt, ohne Erfolgsgarantie
* Bisher wurde nur einmal eine Frau auf einer BMV nicht gewählt
* Eine Frauenquote wird nicht dafür sorgen, dass bundesweit in allen
Geschäftsbereichen sich überall Frauen bewerben und gewählt werden
* Der Vorstand soll keine Menschen bewerben, sondern Arbeit für den Verein tun
* Unser Image entsteht nicht nur, durch öffentlich agierende Personen, sondern
auch durch Positionen und Präsentationen
* Der Eindruck, weibliche Personen seien im Vorstand „unerwünscht“, entsteht
nicht dadurch, dass diese nicht 50% ausmachen
* Menschen werden im Vorfeld auf ihr Geschlecht reduziert
* Ermutigung muss nicht über Quote geschehen
* Zementierung der Geschlechterbinärität
* Piraten stehen für die Abschaffung der Erfassung des Merkmals „Geschlecht“
* Quote verfälscht die Darstellung der Zustimmung der einzelnen Kandidaten
* Der Verein muss nicht die Gesamtbevölkerung repräsentieren
Diese Aufzählung muss man aber mit Vorsicht genießen, denn wie oben geschrieben
sind es nicht zwingend Argumente. Da ich sie chronologische gesammelt habe,
sind einige von ihnen auch gegenseitig entkräftet worden.
Wo verlaufen die Fronten?
* Einige Leute sind für die Quote, weil sie ein Problem in der
Unterrepräsentation und strukturellen Benachteiligung von Frauen sehen.
* Einige Leute sind gegen die Quote, weil sie kein Problem in der
Unterrepräsentation sehen und strukturellen Benachteiligung von Frauen für sie
nicht da ist.
Welches Problem soll die Frauenquote lösen?
1) Wir wollen mehr Frauen im Vorstand, damit mehr Frauen im Verein sind
2) Wir wollen mehr Frauen im Verein, also brauchen wir mehr Frauen im Vorstand
3) Eine Frauenquote führt zu einer Überrepräsentation (im Bezug auf die
Vereinsmitglieder) weiblicher Personen und soll dadurch mehr dieser anziehen.
Über lange Sicht, soll das zu einem Gleichgewicht führen.
(Lösungsvorschlag eines Henne-Ei-Problems)
Was bleibt?
Die Diskussion gibt es schon länger und sie wird von manchen Menschen emotional
geführt. Ich werfe mal eine Vermutung in den Raum, warum das so ist: Bei der
Diskussion um die Quote geht es um grundsätzliche Wertvorstellungen die
aufeinanderprallen. Welche das sind kann ich nicht genau benennen. Vielleicht
irgendetwas mit liberal und links ihr kennt ja das Dilemma mit Bezeichnungen.
Was es sonst noch zu sagen gibt:
Über verschiedene Modelle wurde nicht viel gesagt. Auch alternativen zur Quote
die in dem Thread genannt wurden habe ich ignoriert. Und an dieser Diskussion
beteiligten sich diesmal keine oder kaum Frauen*
Vermutlich habe ich irgendwas vergessen, aber das war's erstmal.
Alex
--
/"\ Junge Piraten orga Mailingliste
\ / Strukturdebatten
X
/ \ https://ucp.junge-piraten.de/