Hallo zusammen,

Am 15.10.2013 15:07, schrieb Simon Gauseweg:
> Am 15.10.2013 14:24, schrieb Stephan Urbach:
>> Am 15.10.2013 um 14:15 schrieb Simon Gauseweg:
>>>
>>> Einige hier (ich z.B.) sind gegen die Quote, weil sie schon die
>>> Unterrepräsentation nicht sehen. Aber das wird ja beständig
>>> ignoriert. -.-
>> Anteil weiblich gelesener Menschen in Deutschland: 51,3%
>> Anteil von Frauen bei den Jungen Piraten und in ihren Gremien?
>>
>> Genau. Da ist sie.
>
> Wir vertreten, das erkläre ich hier zum wohl vierten oder fünften Mal,
> unterschiedliche Auffassungen, wen der Vorstand repräsentiert. Und ich
> bin der Ansicht, dass der Vorstand die Mitglieder zu repräsentieren
> hat
> und nicht eine gesamte Bevölkerung.
>

Ideologisch muss der Vorstand die Mitglieder repräsentieren, ja.

Das essentielle Problem ist auch nicht, dass der Vorstand strukturell
den Mitgliederanteil der Geschlechter grob wiederspiegelt, nein, das ist
imho sogar grundsätzlich etwas, was ich begrüße. Weil es die Realität
zeigt und nicht schönt. Denn wenn man das macht, kommt eben schnell der
Vorwurf der »Quotenfrauen«, weil sie »unauthentisch«, »künstlich
erzwungen« aussehen und Frauen* dort eben nicht wirklich »die Hälfte der
Macht« haben.

Aber gerade weil es ein Spiegel ist, zeigt es den Grund, der mich dazu
gebracht hat meine Position gegenüber Quoten genauso wie auch die
gegenüber der Wirkung von Sprach hinsichtlich Geschlechtergerechtigtkeit
zum überdenken gebracht hat. Ich fang mal vorne an:

Frauen* werden in der Gesellschaft strukturell diskriminiert. Da sind
wir uns, denke ich alle einig. Weiblich ist tendenziell eher negativ und
schwach konotiert, was mit Grundlage der strukturellen Diskriminierung ist.

Diesen Misstand gilt es zu beheben. Da sind wir uns auch noch alle
einig, denke ich. Über die Mittel wird nun gestritten.

Solange wir einen Mitgliederanteil von Frauen* haben, der, typisch für
gesellschaftliche Organisationen in unserer Gesellschaft, erst Recht für
Politische, weit unter dem Gesamtgesellschaftsanteil ist, werden Frauen*
unterrepräsentiert. Sie fühlen sich dabei, so häufig die Schilderung,
nicht repräsentiert, nicht vertreten, ihre Probleme und ihre Realität
marginalisiert oder ignoriert. Ja, das ist pauschalisiert, aber soweit
nocht falsch. Siehe dazu auch Pauls Ausführungen als Beispiel.

Solange wir eben einen solchen niedriegen Anteil an Frauen* haben,
repdroduzieren wir, wenn auch nur unbewusst, diese strukturellen
Defizite, die wir selbst an der Gesellschaft kritisieren. Und sei es
nur, weil uns die reale weibliche Perspektive fehlt, weil sie entweder
nicht oder unterrepräsentiert ist. Das Vorhandensein einer solchen ist
mit ein Grund warum Studien gemischt geschlechtlichen Arbeitsgruppen
eine höhere Effizienz, Effektität und Produktivität attestieren. Soll
heißen: Mit ausgeglichenen Geschlechterverhältnis ist das
Arbeitsergebnis besser.

Das heißt in der Konsequent: Wir tuen gut daran, diese reproduzierte
strukturelle Diskriminierung abzubauen, und so als Teil der Gesellschaft
anfangen, diese in diesem Punkt zu ändern.

Und aktiv heißt: Wir können nicht nur darauf hoffen, dass irgendwann
eventuell mehr Frauen* eintreten und sich dadurch evtl. zeigt, dass sich
das auch in den Ämtern niederschlägt. Dort, wo es Macht gibt. Damit es
sichbar ist, dass dieser Verein Frauen* auch eine Chance gibt und eben
nicht, wie viele andere Organisationen, die strukturelle Diskriminierung
reproduziert, sondern sie bekämpft. Und da ist eine richtig
implementierte Quote das relativ beste Mittel, das mir aktuell bekannt ist.

(Und hättet ihr mir vor 2.5 Jahren gesagt, dass ich das mal sagen würde,
hätte ich euch hart ausgelacht. Sehr hart ausgelacht.)


> Im Gegenteil halte ich es vermessen bis arrogant (überheblich,
> anmaßend;
> die Liste ließe sich belieibig fortsetzen), nähme ein Vorstand einer
> vielleicht 1.000 Mitglieder starken Organisation in Anspruch, ca. 81
> Mio
> Menschen zu repräsentieren.
>

Und genau da liegt das Problem: Du hast nicht verstenden, wie es gemeint
war. Es ging darum, dass wir die Gesellschaft, wie wir sie und wünschen,
repräsentieren. Nicht nur als Zielvorstellung, sondern im Rahmen unserer
Mittel soweit wir können.

Am 15.10.2013 19:34, schrieb Simon Gauseweg:
> Am 15.10.2013 17:21, schrieb Aran:
>>> Das ist aber bei den JuPis als POLITISCHE Organisation
>>> explizit NICHT der Fall.
>>
>> Das sehe ich anders. Die Frage ist nämlich was wir politisch
>> darstellen wollen.
>> 1. Reproduzieren wir Bilder als politisch aktive Menschen und
>> 2. Sind auch Politker Menschen mit Macht auch bei den JuPis
> Ein JuPi-Vorstand spricht für die JuPis. Nicht für die Bundesrepublik
> Deutschland. Dann müsste der JuPi-Vorstand nämlich auch Nazis
> repräsentieren. Oder anderes, vom JuPi-Leitbild nicht gedecktes
> Gedankengut.
> 

Und dann erledigt sich diese polemische Übertreibung von alleine, denn
in meiner Wunschgesellschaft sind alle Geschlechter real
gleichberechtigt und Nazis gibts dort nicht. Und dann brauchen wir auch
keine Hilfskrücke Geschlechterquote mehr, um diese reale
Gleichberechtigung herbeizuführen. Das kann dan trotzdem mal heißen,
dass ein Vorstand mal mit 70% Männern* besezt ist und zwei Jahre später
halt mit 70% Frauen*. Der Unterschied ist in dieser Gesellschaft dann
aber: Es gibt eben dann keine strukturelle Diskriminierung eines
Geschlechtes mehr. Bis dahin ist noch ein weiter weg zu gehen.

Ach, und zum Punkt, warum wir als _politische_ Organisation das
besonders forcieren wollen: Politik ist immer eine Frage von Macht.
Macht gestaltet Gesellschaft. Und da wir das wollen, sollten wir sie so
gestalten, dass unsere Ziele auch erreicht werden.

Grüß,
Florian

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