Hallo Elke, hallo Liste,

ich schreibe zwar (noch?) keine DA zum Thema, habe
aber in wenigen Wochen zwei Diplom-Pruefungen zu den
Themen 'Virtual Communities' und 'eCommerce' (Automobilbranche)
zu bestehen.
 
> Das stimmt, allerdings meine ich, da� man doch gerechterweise erw�hnen sollte, da�
> Hagel/Armstrong schon in den ersten Zeilen ihrer Einleitung auf "The Well" als
> einer der zwei wichtigen Anst��e f�r ihr Buch verweisen.

Ja, das mag ja sein, aber dieser Hinweis beantwortet die zurecht gestellte 
Frage von Georg nach den Motivationsgruenden zur Gemeinschaftsbildung
nicht ausreichend. Diese Frage hast Du Dir ja am Ende Deiner Mail
auch selbst gestellt.

Ich finde es auch wichtig, Rheingolds Buch in diesem 
Zusammenhang mal gelesen zu haben. Um dem 'wissenschaftlichen Anspruch'
im Rahmen einer Diplomarbeit gerecht zu werden, sollten aber auch die
verschieden Ansaetze zur Gemeinschaftsbildung aus der Soziologie
eine wichtige Rolle spielen und darueber findet sich in der Literatur
aus der Marketing-Ecke nunmal reichlich wenig und fast nichts
kritisches.

Hinzu kommt, da� es sich beim 'Mythos' The WELL eigentlich auch
um eine Community mit lokalem Bezug handelt und sich deren Mitglieder
bestimmt nicht auf einer marketingorientierten Website a la Cycosmos 
einfinden oder stundenlang f�reinander Rezensionen bei Amazon 
schreiben wuerden.

Steward Brand, selbst ein Wellianer, beschreibt die Teilnehmer dieser 
community wie folgt: "Die Personal-Computer-Revolution�re 
waren die Gegenkultur. Sie waren f�nf bis zehn Jahre j�nger als die Hippies, 
kamen aber aus dem Zeitgeist der sechziger Jahre und hatten viele der Ideen 
von pers�nlicher Freiheit und Bilderst�rmerei aufgenommen[...]. Der PC war 
f�r viele von ihnen der Talismann einer neuen Art von Befreiungskrieg." 
aus Bollmann: Kursbuch Internet, Mannheim, 1996, S. 46

> So sieht Rheingold z.B. die VC
> als eine "elektronische Agora", die in der virtuellen Welt einen �ffentlichen Raum
> schafft ..., in dem jeder seine Meinung sagen darf. 

So 'ne �hnliche Idee hatte Brecht auch schon bei der Einf�hrung des Rundfunks
(vgl. Brechts Radiotheorie).

> Durch die Eigenschaft der vollkommenen Markttransparenz - zu jedem
> beliebigen Zeitpunkt verf�gen K�ufer �ber Informationen �ber alle Anbieter, deren
> Preise und Leistungen - hat der K�ufer / das Mitglied der Gemeinschaft viel Macht
> Anbietern gegen�ber. Das hei�t, der Profit ist auch auf der Seite der "Dritten".

Ja, das w�re schoen, wenn es so waere, aber welcher Markenartikler traut 
sich momentan, in eine VC zu investieren, um direkt mit der Konkurrenz
verglichen zu werden? Denn nicht da wo Community drauf steht, ist auch
immer Community drin.

> Bei der Untersuchung dieser Frage, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, 
> da� Communities im Englischen bzw USA etwas anderes bedeuten als Gemeinschaft 
> im Deutschen. Hat sich dar�ber schon jemand mal Gedanken gemacht...

Damit besch�ftige ich mich auch gerade. 
In der englischsprachigen Literatur wird sogar oefter der deutsche Begriff
*Gemeinschaft* in Abgrenzung zum Begriff *Community* verwendet.
Vgl. hierzu
Steven G. Jones: 
Virtual Culture - Identity & Communication in Cybersociety
London, 1997
und darin im speziellen: 
Jan Fernback: The Individual within the Collective: Virtual
Ideology and the Realization of Collective Principles


Gruss,  Katja


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