Hallo Thorsten,

Thorsten Behrens schrieb:
> Du schriebst:
> > (Ich halte es auch keineswegs gerechtfertigt das Du hier
> von "unsere"
> > sprichst, denn ich wüßte nicht das ich mich bei LO verpflichten muß
> > solcherlei Positionen zu teilen wie sie hier die FSF vertritt.)
> >
> Du beziehst Dich offensichtlich auf die Extensions, ich bezog mich
> auf die LGPL für den Core-Code - und ja, das ist offizielle
> TDF-Position.

LGPL ist natürlich nicht mein Problem, denn erstens werde ich mich nicht
heute gegen eine Lizenz zu wenden die ich bei OOo immer befürwortet habe
und zweitens ist LGPL ohnehin ein notwendiges Faktum, da man ja aktuell
nicht einfach umlizensieren kann.

Wogegen ich mich wende ist die, wieder einmal, instinktlose Art der FSF
Stimmung zu machen, indem man quasi LO heilig spricht und OOo verdammt,
obwohl beide unter freier Lizenz stehen. Und es sind dieserlei Dinge
sind es u.a. die ich mit dem Begriff 'Ideologisierung' meine und vor
denen ich warne.
Das ist es worum es mir ging denn weder glaube ich das 100% aller
LO-Mitglieder die jetzige Kampagne der FSF uneingeschränkt begrüßen und
schon garnicht kann es Vorausetzung der Mitarbeit bei LO sein diese
Kampagne der FSF begrüßen zu müssen.

(Und ehe Du mich hier wieder mit Mr. Ballmer vergleichst solltest Du Dir
mal überlegen welch miese Doppelmoral die FSF hier an den Tag legt, denn
in Sonntagsreden lobt sie Freiheit und Vielfalt, wenns aber konkret wird
basht sie die eigenen Anhänger und durch sie selbst anerkannte Lizenzen
indem sie Selektion betreibt.
Und wer sich da denkt das sei nicht so schlimm, solange LO dabei auf der
'Siegerseite' steht mache sich klar das die FSF ohne Rücksicht auch LO
verdammen wird sobald es nur eine passende Office-Suite unter GPL gibt
die man gegen LO positionieren kann.)

> > Wo sich diese Frage bei freier Software vielleicht an GPL und BSD
> > festmacht, so heißt ihr Äquvalent, in der realen Welt, vielleicht
> > Stalinismus oder Libertarismus ...
> >
> Oh mann. Damit reihst Du Dich direkt hinter Steve Ballmers
> "Opensource ist Krebs" ein.

Ich rede hier momentan nicht über OpenSource, auch nicht über Freie
Software, sondern nur über die spezielle Lizenz namens GPL.

Schau Dir die GPL an und frage Dich ob jemand der diese 'richtig' findet
wohl auch selbst im realen Leben z.B. einen Mietvertrag abschliessen
würde der seinen Vermieter einseitig ermächtigt diesen Vertrag
nachträglich 'anzupassen'.

Sollen es denkende Menschen hinnehmen das §14 der GPL3 praktisch eine
Art 'Ermächtigungsgesetz' für die FSF ist, und sollen gezwungen sein
sich vom Wohlwollen der FSF abhängig zu machen?
Stimmt, niemand zwingt mich mit 'later'-Klausel zu lizensieren, aber man
legt mir das nahe ... man macht es mir bequem ... man versucht mich von
der Konsequenz dieses Tuns abzulenken ...

Muß ich, wenn ich für freie Software bin, unbedingt auch die GPL
befürworten? Darf ich als Änhänger freier Software nicht selbst denken?

> Vielleicht geht's nächstes Mal mit etwas
> weniger Polemik.

Naja, ich weiß wie die Dinge laufen und das Diktaturen immer damit
antreten doch eigentlich nur dem Guten mit etwas 'Nachdruck' den Weg
ebnen zu wollen.

So sehr ich für freie Software bin, so zunehmend lehne ich das Gebahren
der FSF (dieser _konkreten_ Organisation in ihrem _konkreten_ Tun)
inzwischen ab, weil ich es als vielfach unkonstruktiv erlebe.

Es gibt, bei nüchterner Betrachtung, so viele 'Baustellen' für Freie
Software wo die FSF konstruktiv tätig sein könnte,  jedoch übt sie sich
zunehmend nur noch darin eigene widerspruchslose Anhänger zu
'bauchpinseln' und ihre Gegner zu provozieren.

Schau Dir mal an was Stallmann aktuell in Berlin wieder von sich gegeben
hat, manches ist nicht falsch, aber Vieles ist Extremismus pur, so das
man sich doch nur distanzieren kann.
Und mit "Extremismus" meine ich nicht nur verbale 'Ausfälle' gegen
Unternehmen sondern auch ganz nüchterne Dinge wie z.B. das Stallmann die
Vertragsfreiheit in Frage stellt.

(Zur Sicherheit: ich habe nur die Heise-News gelesen und einige andere
Meldungen und nicht Stallmans Rede im Orginal.)

> > Ich bevorzuge in diesen Dingen, den eher mühevollen Weg von freier
> > Software zu überzeugen, denn für mich ist jemand der völlig
> freiwillig
> > etwas an die Community zurückgibt hundertmal mehr Wert als
> jemand dem
> > ich das durch meine Lizensierung abnötige, zumal
> Nutzer/Entwickler die
> > ihren Code nur deshalb unter eine bestimmte Lizenz stellen weil sie
> > keine tatsächliche Wahl haben, schwerlich auf den Weg
> gelangen können
> > von der Idee freier Software wirklich ergriffen zu werden
> sondern sie
> > bleiben meist nur Mitläufer.
> >
> Du scheinst die Gesetze des Marktes im allgemeinen, und die
> Verpflichtungen von Aktiengesellschaften im speziellen zu
> ignorieren.

Was AGs hier im Speziellen zu bedeuten hätten (gegenüber anderen
Rechtsforen) weiß ich konkret nicht, ansonsten aber ignoriere ich nicht
den Markt sondern bin dessen Befürworter.

Ich bin aber über meine wirtschaftspolitischen Ansichten hinaus
zuallererst ein libertär denkender Mensch und werde immer bevorzugt das
Recht des mir Gegenüber verteidigen für seine Interessen einzutreten.

Das darfst du völlig wörtlich nehmen, denn ich meine an der Stelle was
ich sage und wenn ich sage das ich 'das Recht des Gegenüber verteidigen
werde', dann auch dann wenn der Gegenüber dieses Recht anschließend
nutzt um mich zu bekämpfen.

Das ist auch keineswegs abstrakt, denn wenn man beispielsweise für
Pressefreiheit ist weiß man natürlich genau das man damit zwangsläufig
auch Leuten den Weg ebnet die Dinge schreiben die einem selbst nicht
gefallen - damit muß man leben, das ist der Preis von Freiheit.

Wenn ich freie Software will muß ich aber auch dort ernst machen mit dem
was ich sage und kann nicht hinterher kommen und sagen wenn jemand diese
Software lizenzkonform nutzt, das das dann eine Ausnutzung wäre nur weil
mir seine konkrete Form der Nutzung nicht passt.

> Wie auch immer, für die hier vorliegende Fragestellung
> ist dieser stilisierte Lizenz-Krieg meiner Meinung nach ohnehin
> irrelevant:

Teils ja, teils nein.

Ja, weil man wohl hinsichtlich der praktischen Arbeit mit beiden
Lizenzen hinreichend 'zurechtkommt'.

Nein, weil Menschen sich durch Ziele/Perspektiven motivieren.

Schau Dir LO an, das was ich dort teils als Ideologisierung erlebe (und
ablehne), ist für andere gerade der Grund sich dort zu engagieren und
ist Quelle ihrer Motivation.



Gruß
Jörg

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